Glanz ihrer Zeit und des Wunders unserer Tage
Die Mathematikerin Hypatia von Alexandria
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In der griechischen Antike hatten Frauen einen niedrigen Status. Ihre hauptsächlichen Aufgaben waren das Gebären und Großziehen von (männlichen) Kindern. Auch viele Philosophen und Wissenschaftler teilten diese Meinung.
Einige Frauen – wie Theano von Kroton[1], Aspasia von Milet oder Diotima von Mantinea – konnten aus diesem Bild ausbrechen.
Eine weitere Frau war Hypatia von Alexandria, die erste Mathematikerin, deren Leben dokumentiert wurde.
Hypatias Jugend
Hypatia wurde Ende des vierten Jahrhunderts nach Christus – wahrscheinlich um 370 n.Chr. – geboren[2]. Sie lebte mit ihreren Eltern und ihrem Bruder Epiphanius im griechischen Viertel von Alexandria.
Ihr Vater war Theon von Alexandria, ein Philosph und Astronom, der im Museion, der Universität von Alexandria, lehrte.
Theon war Anhänger des Platonismus. Er war der Meinung,
dass sich hinter/über der materiellen Welt noch eine Welt der
Ideale befindet. Wir Menschen können nur die Schatten
dieser Ideale erkennen.
Wie alle Philosphen war auch Theon auf der Suche nach
solchen Idealen. Aus diesem Grund wollte er Hypatia zu einem
vollkommenen Menschen
erziehen. Deshalb bekam Hypatia eine
– für Mädchen eher untypische – Bildung. Sie
wurde nämlich wahrscheinlich im Museion unterrichtet.
Als junge Erwachsene wollte Hypatia mehr lernen, als ihr Vater ihr bieten konnte. Sie wollte von anderen Philosphien hören und andere Weltbilder erforschen. Deshalb überredete sie ihren Vater, dass sie das antike Italien und Athen bereisen und die dortigen Schulen besuchen durfte. An der Universität von Athen erhielt sie sogar die höchste Auszeichnung, den Lorbeerkranz. Diesen trug sie danach immer in der Öffentlichkeit.
Vater und Tochter
Als Hypatia aus Europa zurück kehrte, arbeitete sie mit ihrem Vater im Museion (oder was davon übrig war). Denn das eigentliche Museion – die Schule Alexandrias mit ihrer berühmten Bibliothek – war schon vor längerer Zeit zerstört worden. Trotzdem gab es weiterhin eine Scule, die die wissenschaftliche (beziehungsweise philosphische) Arbeit fortführte und die übrig gebliebenen Werke aus der Bibliothek im Seraphistempel lagerte und verwaltete.
Als Theodosius im Jahre 392 n.Chr. befahl, alle heidnischen Tempel zu zerstören, wurde auch dieser Rest der Bibliothek verbrannt.
Im Museion schrieb Hypatias Vater zu mehreren
wissenschaftlichen Werken Kommentare, unter anderem
zu Ptolemäus' Algebra
. Außerdem
überarbeitete er die Elemente
von Euklid
komplett. Man geht heute davon aus, dass er dabei von Hypatia
unterstützt wurde.
Die Kommentare und Übersetzungen sollten den Schüerinnen und Schülern der Philosophie und der Naturwissenschaften das Studium Euklids und Ptolemäus' einfacher machen. Deshalb wurden im Laufe der Zeit die Elemente und die Algebra immer wieder umgeschrieben, wobei die Kommentare mit der Zeit eingearbeitet wurden.
Heute sind die Originale der Kommentare nicht mehr vorhanden.
Der Almagast
– und als Teil davon das Kapitel
über die Elemente – aber war bis ins Mittelalter ein
Standardwerk der gesamten Wissenschaften. Euklid versuchte
darin, das gesamte vorhandene Wissen zusammenzutragen
und -zufassen.
Am Museion
Um 400 n.Chr. wurde Hypatia zur Vorsteherin des Museion. Sie lehrte dort nicht nur die Philosophie der neoplatonischen Schule sondern auch Mathematik, Astronomie, Astrologie und Mechanik.
Ihre Schülerinnen und Schüler kamen aus der gesamten (bekannten) Welt und gehörten allen Glaubensrichtungen an. Dies war ungewöhnlich, da es eigentlich für die verschiedenen Glaubensrichtungen eigene Schulen gab.
Hypatia selbst war Neoplatonikerin und glaubte an ein
heliozentrisches(!!!) Weltbild. Sie war aber mit Menschen vieler
Glaubensrichtungen befreundet, untere anderem mit Synesius von
Kyrene, dem späteren Bischof von Ptolemaïs. In seinen
Briefen nannte Synesius sie Mutter, Schwester und verehrte
Lehrerin
.
Um ihren Schülerinnen und Schülern das Studium der philosophischen und anderen wissenschaftlichen Werke zu erleichtern und vor allem um ätere Werke auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu zu bringen, schrieb Hypatia umfangreiche Kommentare.
Eines der Werke, die sie ihren Schülerinnen und
Schülern zum Studium gab, waren die Conica
von
Apollonius von Perge. Darin führt Apollonius Ellipsen,
Parabeln und ähnliche Gebilde auf Kegelschnitte zurück.
Mit den Kommentaren von Hypatia bestand dieses Werk aus acht
Bänden, die in dieser Form jahrhundertelang benutzt
wurden.
Ein weiteres Werk, das ohne die Kommentare von Hypatia
kaum vollständig wäre, sind die 13 Bände
Arithmetika
von Diophantos. Darin wird beschrieben, wie
Gleichungen vom Grad bis zu sechs gelöst werden.
Die Erfinderin
Hypatia lehrte nicht nur die Astronomie und die Mechanik, sie betrieb auch selbst Studien auf diesen Gebieten. Über diese Studien hat sie keine wissenschaftlichen Abhandlungen verfasst. Ihre Ergebnisse sahen anders aus:
Auf eine Bitte von Synesius von Kyrene hin entwickelte sie ein Astrolabium zu Bestimmung von Sternenpositionen.
Desweiteren erfand sie ein Hydrometer. Dies ist ein Gerät zur Bestimmung der Dichte von Flüssigkeiten.
Bei beiden Geräten ist nicht klar, ob Hypatia die
alleinige Erfinderin ist, oder ob sie nur
bereits bekannte
Apparate weiter entwickelt hat. Aber auch die Weiterentwicklung
wäre eine großartige Leistung.
Hypatia privat
Sie war aber nicht nur Philosphin und Wissenschaftlerin. Sie hatte auch ein starkes Interesse an der Politik Alexandrias. Ein Schüler Hypatias schrieb darüber:
Im Philosophentalar zog sie durch die Innenstadt und sprach für alle, die zuhören wollten, öffentlich über die Lehren des Platon oder des Aristoteles […] Die Magistraten pflegten für die Verwaltung der Staatsgeschäfte zuerst ihren Rat einzuholen.
Damit stand Hypatia in einer Reihe mit anderen Philosphinnen
und Philosophen, die sich ebenfalls in die Staatsgeschäfte
einmischten
. Z.B. wurde Asklepigenia, die Vorsteherin
der Athener Universität, von den weltlichen Herrschern
in Athen regelmäßig um Rat gefragt. Platon
war die Politik ein Anliegen. Eines seiner Werke ist die
Staatsphilosophie
, in der er in Anlehnung an seine
philosophischen Lehren den idealen Staat beschreibt.
Allerdings war Hypatias Rat nicht nur deshalb gefragt, weil es einfach nur üblich war. Hypatia war auch eines sehr gute Rhetorikerin. Sie hat von ihrem Vater und später am Museion Unterricht in Rhetorik bekommen; Das war für Philosophinnen und Philosophen obligatorisch. Aber Hypatia brachte auch ein Talent dafür mit.
Dass die Menschen buchstäblich an ihren Lippen hingen,
wenn sie die Lehren Platons verbreitete, lag aber bestimmt auch
an ihrer legendären Schönheit. Sie erhielt den Titel
Glanz ihrer Zeit und des Wunders unserer Tage
.
Diese Schönheit öffnete Hypatia bestimmt einige Türen. Trotzdem war und blieb sie eine keusche Frau. Außerdem heiratete sie nicht.
Hypatias Tod
Über den Tod Hypatias ranken sich viele Legenden:
Schon vor Hypatias Zeit gewannen die Christinnen und Christen immer mehr an Macht. Da Hypatia sowohl mit Christinnen und Christen als auch mit anderen Gläbigen befreundet war, befand sie sich immer im Spannungsfeld zwischen diesen Religionen.
Eine Legende besagt, dass Kyrill, der Bischof Alexandrias, eine Menge Christinnen und Christen aus Neid auf Hypatias Ansehen aufgewiegelt hat. Diese haben im März des Jahres 415 n.Chr. Hypatia auf ihrem Heimweg aufgelauert, sie entführt und in eine Kirche geschleppt. Dort wurde sie zuerst ausgezogen, getötet und mit Scherben zerstückelt. Zum Schluss wurden ihre Überreste verbrannt.
Eine andere Legende besagt, dass es die Mitglieder der christlichen Sekte der Paraboliania waren, die Hypatia auf diese Weise ermordet haben.
Mit ihrem Tod erlosche die neoplatonische Schule Alexandrias. Das philosophische und das wissenschaftliche Wissen der Antike, wie die Kegelschnitte des Apollonius, gerieten in Vergessenheit und mussten später mühsam wieder entdeckt werden.
Bewahre dein Recht zu denken,
denn auch falsch zu denken ist besser,
als gar nicht zu denken.
(Hypatia)
Weitere Informationen über Frauen in der Antike und in der Philosophie
Frauen in der Antike
Aristoteles hatte damals das übliche
Frauenbild: Für ihn waren Frauen nur dafür da,
(möglichst männliche) Kinder zu gebähren
und groß zu ziehen. Dabei war die Frau nur ein
Gefäß
für den Embryo, für die
Eigenschaften des Kindes war nur der Samen des Mannes Ausschlag
gebend.
Wurden dann mehr als ein Mädchen geboren, wurden sie bald nach der Geburt sich selbst überlassen. Wenn sie nicht starben, wurden sie von Sklavenhändlern oder Zuhältern gefunden und groß gezogen, für ein Leben in Prostitution oder Sklaverei.
Für andere Philosphen wie Pythagoras oder Platon war es ganz natürlich, dass Frauen der gebildeten Schicht auf am gesellschaftlichen Leben, und damit auch an Philosphie und Wissenschaft, teilnahmen. Allerdings mussten Frauen, die nach den Lehren des Pythagoras zum Geistlichen streben wollten, ihre Weiblichkeit hinter sich lassen.
Philosophie und Wissenschaft in der Antike
Im Altertum bedeutete die Beschäftigung mit der
Philosphie auch immer eine Beschäftigung mit den
Naturwissenschaften. So wollen die Philosophinnen natürlich
auch wissen, was die Welt im Innersten zusammen
hält
. (Auch Goethes Faust studierte dafür ja
unter anderem Philosphie.)
Pythagoras beispielsweise führte die Welt auf Gegensätze zurück: gut und böse, Mann und Frau, geistig und materiell, …. Diese Gegensätze symbolisierte er durch die geraden und die ungeraden Zahlen, insbesondere durch die 1 und die 2.
Dabei führt er das Gute, das Geistige und das
Männliche auf die 1 zurück, das Böse, das
Materielle und das Weibliche dagegen werden von der 2
repräsentiert. Das Ziel eines jeden Menschen, besonders
in der Philosphie, sollte nun sein, den geistigen Zustand
zu ereichen. Dafür entwickelte Pythagoras seine
Mathematik
.
Fußnoten:
[1] Die Ehefrau von Pythagoras – Zurück nach oben
[2] Andere Quellen legen ihre Geburt in die Jahre um 355 n.Chr. Die Differenz von 15 Jahren ergibt sich aus den unterschiedlichen Schätzungen bzgl. ihres Alters bei ihrem Tod. – Zuück nach oben
Letzte Änderung:
Wednesday, 02-Apr-2008 19:05:24 CEST,
by
britta
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